FlorSoz-Tagung in Hagen – 25.06.2026–29.06.2026
Die Floristisch-Soziologische Arbeitsgemeinschaft (FlorSoz, Tuexenia) richtet jedes Jahr eine viertägige botanische Tagung im deutschsprachigen Raum aus. Freitags werden im Rahmen einer Vortragsveranstaltung neben Beiträgen zum Exkursionsraum auch die geplanten Exkursionen vorgestellt, die am Samstag und Sonntag parallel stattfinden. Am Montag gibt es eine Zusatzexkursion für eine begrenzte Anzahl von Mitgliedern. Für das Jahr 2026 wurde als Tagungsort Hagen in Nordrhein-Westfalen gewählt. Die Gesamtkoordination übernahm Christoph Gerbersmann aus Hagen.
Der Bochumer Botanische Verein trat in diesem Jahr als Mitveranstalter auf, die Vorsitzenden Corinne Buch und Armin Jagel waren Mitglieder des engeren Organisationsteams. Vereinsmitglieder gestalteten maßgeblich die Vortragsveranstaltung und übernahmen die Vorbereitung und Leitung von drei der fünf Exkursionen, über die wir hier, wie im Verein üblich, mit einer Reihe von Bildern und kurzen Informationen, berichten wollen. Wir danken allen, die dafür ihre Bilder bereit gestellt haben.
Die Tagung fand am bisher heißesten Wochenende des Jahres statt und stellte uns alle vor unerwartete Herausforderungen. Der Samstag brachte neue Höchsttemperaturen für Deutschland. Auf den Exkursionen in den flacher liegenden Regionen wurden Temperaturen von um die 40 °C gemessen, aber auch die höher gelegenen Orte im Kreis Olpe erreichten 37 °C. Dies erklärt auch die Schirme, mit denen sich die Exkursionsteilnehmenden schützten, geregnet hat es nicht. Eine weitere Herausforderung waren die z. T. sehr großen Gruppen bis zu 50 Personen. Alle Teilnehmenden überstanden die Exkursionen aber trotz der Umstände gesund und munter und tauschten sich abends bei etwas kühleren Temperaturen um 30 Grad in der Gastronomie Hagens über das Erlebte aus.
Link zum Exkursionsführer im Beiheft der Tuexenia
| Exkursion 1: Hagen – Weißenstein – Hasselbachtal/Schälk – Steltenberg | Exkursion 2: Kreis Olpe: Olpe-Oberveischede – Attendorn, Dünscheder Heide – Finnentrop-Weringhausen | Exkursion 3: Ruhrgebiet: Hattingen, Henrichshütte – Gelsenkirchen, Halde Rheinelbe |
Exkursion 1: Hagen – Weißenstein – Hasselbachtal/Schälk – Steltenberg
Leitung: Christoph Gerbersmann, Franco Cassese, Marcus Lubienski & Norbert Neikes
NSG Weißenstein/Mastberg
Das "NSG Weißenstein" ist das älteste Naturschutzgebiet Hagens aus den 1930er Jahren. 1994 wurde auch der benachbarte Mastberg unter Naturschutz gestellt. Beide Gebiete bestehen aus teilweise dolomitisiertem Massenkalk, der im Bereich des Mastberges auch heute noch abgebaut wird. Im Gebiet wurden zunächst Arten des orchideenreichen Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum) mit Übergangsstadien zu anderen Buchenwaldgesellschaften vorgestellt. Typische Arten sind z. B. Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Finger-Segge (Carex digitata), Berg-Segge (Carex montana), Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Langblättriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia), Seidelbast (Daphne mezereum), Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla), Grüne Nieswurz (Helleborus viridis), Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria).
An einem sonnenxponierten Waldaußenrand des Weißenstein wuchsen z. B. Bärenschote (Astragalus glycyphyllos), Heil-Ziest (Betonica officinalis), Leers Segge (Carex polyphylla), Wirbeldost (Clinopodium vulgare), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare), außerdem war hier vor wenigen Tagen die Kleine Sommerwurz (Orobanche minor) von Franco Cassese gefunden worden, was ein Wiederfund der Art nach 75 Jahren am Wuchsort und für Hagen darstellte. An einem Waldinnenrand an einem breiten Forstweg wuchs der Echte Steinsame (Lithospermum officinale).
Hasselbachtal/Schälk
Das Gebiet des NSG Henkhauser- und Hasselbachtal setzt sich aus tief eingeschnittenen Bachtälern mit umgebenden Wäldern zusammen. Darin eingebettet sind kleinflächige offene Brachen und Wiesen. Die offenen Bereiche werden unter ökologischen Gesichtspunkten gepflegt. Geologisch ist das Gebiet kleinflächig strukturiert mit silikatischen und basischen Gesteinen im Untergrund. Entsprechend vielfältig ist die Vegetation.
Zu Beginn des Weges hielten wir an einer Wiesenbrache am Waldrand mit einem Massenbestand von mehreren tausend Pflanzen des Heil-Ziests (Betonica officinalis). Weitere bemerkenswerte Arten waren das (bereits verblühte) Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) und die Kümmel-Silge (Selinum carvifolia). Der zweite Stopp zeigt eine magere Orchideenwiese mit mehreren tausend Exemplaren des Fuchs-Knabenkrauts (Dactylorhiza fuchsii) sowie Großes Zweiblatt (Listera ovata), Natternzunge (Ophioglossum vulgatum) und Teufelsabbiss (Succisa pratensis).
Ursprünglich war geplant, nun die im Zentrum des NSG liegenden und vor allem tief eingeschnittene Bachtäler zu besuchen. Diesen Exkursionspunkt mussten wir an beiden Tagen wegen der großen Hitze auslassen, damit die Gruppe noch ausreichend Kraft für den brütend heißen Steinbruch hatte. An der Sohle dieser Bachtäler waren früher gut ausgeprägte Winkelseggen-Eschenwälder (Carici remotae-Fraxinetum) ausgebildet. Durch das Eschensterben sind diese Wälder inzwischen stark beeinträchtigt und verändert. Die Auflichtung hat zur Ausbreitung von Brombeer-Arten (Rubus spp.) und der Großen Brennnessel (Urtica dioica) geführt. An diesem Exkursionspunkt sollte es daher vor allem um die Frage des naturschutzgerechten Umbaus solcher Wälder gehen. An typische Arten wären dort u. a. Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris), Winkel-Segge (Carex remota), Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia) und Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) zu sehen gewesen.
Renaturierter Kalksteinbruch im NSK Steltenberg
Der renaturierte ehemalige Kalksteinbruch liegt südexponiert im mittel- bis oberdevonischen Kalkstein des Mühlenberges. Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte hat Auswirkungen auf die besondere Vegetationsentwicklung im Gebiet. Bereits 1926 wurde von der tiefer liegenden Mühlenbergstraße ein nahezu waagerechter Stollen in den Berg getrieben. Dieser wurde mit einem vertikalen Schacht zur Oberfläche verbunden. Um den Schacht herum begann der Abbau im sog. Rollochverfahren. Die mit Pressluft- und Sprengtechnik gebrochenen Steine wurden durch den Schacht in den Stollen gerollt. Dadurch weitete sich der Schacht zunächst kegelförmig, später auch in gesamter Breite auf. Es entstand schließlich ein Steinbruchkrater ohne jede oberirdische Zufahrt mit einem Durchmesser von gut 300 m. Nach Ende des Abbaus wurde der Steinbruch als Absetzbecken für die Spülschlämme der Steinwäsche des benachbarten Steinbruches verwendet. Es entstand ein Steinbruchsee, der zunehmend verschlammte. Der Betrieb wurde 1999 eingestellt und danach verfestigten sich die Schlämme, bis eine feste Oberfläche entstand, auf der sich Vegetation in unterschiedlichen Pionierstadien angesiedelt hat. Ein Teil des Gebietes ist heute mit Pionierwald bestanden, der Rest wird durch Naturschutzpflege offen gehalten (Literatur: LUBIENSKI & al. 2019).
Auf der Steinbruchsohle finden sich verschiedene Pionierstadien. Floristisch besonders interessant sind die großen Hybridpopulationen der Orchideen mit mehr als 3.000 blühenden Pflanzen, die in drei Hybridschwärmen mit sehr unterschiedlichen Blühzeiten auftreten. Die Elternarten sind Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), Fleischfarbenes Knabenkraut (D. incarnata) und Breitblättriges Knabenkraut (D. majalis). Vor einigen Jahren kam ein aktuell sehr großer Bestand der Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) hinzu. Daneben wurden weitere bemerkenswerte Arten gezeigt wie Golddistel (Carlina vulgaris), Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Raue Nelke (Dianthus armeria), Kleinblütiger Steifer Augentrost (Euphrasia stricta var. parviflora), Acker-Löwenmaul (Misopates orontium), Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris) und Rundblättriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia).
Im Steinbruch wurden außerdem zahlreiche bemerkenswerte Schachtelhalmsippen vorgestellt, die in NRW z. T. sehr selten sind: Equisetum hyemale subsp. affine, E. hyemale subsp. hyemale, E. ×meridionale, E. ×moorei nothosubsp. moorei, E. ×moorei nothosubsp. nipponicum, E. telmateia, E. variegatum (Literatur: LUBIENSKI & al. 2019), LUBIENSKI 2023, 2025, 2027). Wie sie wahrscheinlich dorthin gekommen sind, wurde ausführlich thematisiert (vgl. dazu den Artikel im Exkursionsführer S. 49-55.)
Der umgebende Kalk-Buchenwald enthält typische Arten wie u. a. Rauhaarige Gänsekresse (Arabis hirsuta), Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla), Waldmeister (Galium odoratum), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) und Wald-Sanikel (Sanicula europaea). An den wärmebegünstigten Hängen finden sich Gewöhnliches Blaugras (Sesleria caerulea), Finger-Segge (Carex digitata), Feld-Steinquendel (Acinos arvensis), Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris), Färber-Ginster (Genista tinctoria), Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), Bunte Kronwicke (Securigera varia) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Auf der Fläche der Steinbruchsohle und selbst auch in der felsigen Böschung waren deutliche Schäden durch wühlende Wildschweine zu beobachten.
| Exkursion 1: Hagen – Weißenstein – Hasselbachtal/Schälk – Steltenberg | Exkursion 2: Kreis Olpe: Olpe-Oberveischede – Attendorn, Dünscheder Heide – Finnentrop-Weringhausen | Exkursion 3: Ruhrgebiet: Hattingen, Henrichshütte – Gelsenkirchen, Halde Rheinelbe |
Ansprechpartner: Armin Jagel