Exkursion: Bochum-Querenburg, Flora der Ruhr-Universität - 16.09.2026 Nachdem wir am 12.06.2018 schon einmal eine Exkursion im südöstlichen Bereich des Campus der Ruhr-Universität Bochum angeboten hatten, trafen wir uns diesmal an der Weststr. auf Höhe der G-Gebäude und gingen von dort zum Zentrum des Campus, dem Forum vor dem Audimax. Bei dem abendlichen Rundgang schenkten wir unsere Aufmerksamkeit besonders den Pflanzen der Pflasterfugen, Rasen und Mauern. Zahlreiche von ihnen gehören zur heimischen Flora, einige stehen sogar auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Nordrhein-Westfalens. Bei anderen handelt es sich um Neophyten, die vor allem durch die vielfältigen menschlichen Aktivitäten auf das Unigelände eingeschleppt wurden und sich hier eingebürgert haben. Außerdem sprachen wir über einige angepflanzten Arten, bei denen beobachtet wird, dass sie in den letzten Jahrzehnten zunehmend verwildern.
Auf der Exkursion wurde deutlich, warum urbane und öffentliche Standorte häufig außerordentlich artenreich sind. Mit der Ackerröte ( Sherardia arvensis ), der Breitblättriger Ständelwurz ( Epipactis helleborine ), dem Gelblichweißem Ruhrkraut ( Helichrysum luteoalbum ) und dem Krähenfuß-Wegerich ( Plantago coronopus ) fanden wir vier Arten, die ursprünglich in NRW ganz andere Lebensräume besiedelten, heute aber einen Schwerpunkt im Siedlungsbereich haben und deswegen vom Bochumer Botanischen Verein zu Stadtpflanzen des Jahres gewählt wurden.
Leitung: Dr. Armin Jagel & Dr. Corinne Buch
Protokoll
Nach einem kräftigen Schauer mit Hagelkörnern reißt der Himmel wieder auf und es trifft sich eine kleine Gruppe zur abendlichen Exkursion. Später stoßen noch ein paar zunächst Verirrte hinzu (© A. Jagel)
Ein Auswahl an gepflanzten Gehölzen: ... (© C. Buch)
Die Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia ) aus Süd-Europa wird in letzter Zeit immer häufiger im Siedlungsraum gepflanzt, weil sie Trockenheit gut verträgt ... (© C. Buch)
... und aufgrund ihrer leichten Früchte beim Herunterfallen keine Dellen auf Autodächern hinterlässt. Die Fruchtstände ähneln denen von Hopfen (© C. Buch)
Im Unterschied zur vegetativ ähnlichen Hainbuche (Carpinus betulus ) verzweigen sich bei der Hopfenbuche regelmäßig die Blattadern vor dem Blattrand (© A. Jagel)
Der Kletternde Spindelstrauch (Euonymus fortunei ) aus SO-Asien wird in verschiedenen Sorten als beliebter Bodendecker gepflanzt, .... (© A. Jagel)
.... klettert dann gerne auch Baumstämme hinauf ... (© A. Jagel)
... und kann weiter oben die Form und Größe seiner Blätter stark ändern. Gelangt die Art mit Gartenabfällen in den Wald, kann sie dort den Waldboden großflächig überwuchern und an den hochgekletterten Trieben am Waldrand auch blühen und fruchten (© G. Abels)
Auf gepflanzten Catawba-Rhododendren (Rhododendron catawbiense -Gruppe) sitzt die attraktive Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi ) aus Nord-Amerika. Sie wurde in Europa eingeschleppt und gilt hier als Schädling an den aber ebenfalls nicht einheimischen Rhododendren (© A. Jagel)
Sämlinge der Rot-Eiche (Quercus rubra ) aus Nord-Amerika) ... (© C. Buch)
... der Zerr-Eiche (Quercus cerris ) aus Süd-Europa und ... (© C. Buch)
... der heimischen Stiel-Eiche (Quercus robur ) (© C. Buch)
Wo die beiden Letztgenannten in Nachbarschaft wachsen, kommt es oft zur Ausbildung von skurrilen Gebilden an den Fruchtbechern der Stiel-Eicheln, den sog. Knopperngallen, hervorgerufen durch die Knopperngallwespe (Andricus quercuscalicis , © C. Buch)
Magere offene Rasen ... (© A. Jagel)
... können viele spannende Arten beherbergen wie z. B. ... (© A. Jagel)
... den Echten Ehrenpreis (Veronica officinalis ), ... (© C. Buch)
... die Ackerröte (Sherardia arvensis ), eine Rote-Liste-Art, die früher in Äckern wuchs, Stadtpflanze des Jahres 2018 , ... (© A. Jagel)
... die Nelken-Haferschwiele (Aira caryophyllea ) aus den Sandgebieten, ebenfalls eine gefährdete Art ... (© C. Buch)
... genauso wie die Frühe Haferschmiele (Aira praecox ) (© C. Buch)
An einer Mauer wächst ... (© A. Jagel)
... der Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes ), der seine ursprünglichen Wuchsorte auf Felsen im Bergland hat (© C. Buch)
Unter einer Baumgruppe die Stadtpflanze des Jahres 2025 : Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine ). Sie kam in 2026 vielfach nicht zur Blüte, weil die Blütenknopsen vertrockneten (© C. Buch)
Impressionen der Ruhr-Uni: seit Jahren und noch auf Jahre hinaus in einem Zustand zwischen alt, kaputt und ... (© C. Buch)
... modern (© A. Jagel)
im Zentrum des Chaos aber hält das Audimax die Stellung (© A. Jagel)
Pflanzen in den Pflasterritzen in seinem Umfeld: ... (© C. Buch)
Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella ), ... (© C. Buch)
... Keimlinge des Acker-Frauenmantels (Aphanes arvensis ), ... (© C. Buch)
... Wilder Portulak (Portulaca oleracea ),... (© A. Jagel)
... Sumatra-Berufkraut (Erigeron sumatrensis ), ... (© A. Jagel)
... Kleines Liebesgras (Eragrostis minor ), ... (© G. Abels)
... Japanisches Liebesgras (Eragrostis multicaulis ) und ... © G. Abels)
... Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum , © C. Buch)
Damit eng verwandt ist die Stadtpflanze des Jahres 2022, ursprünglich eine Art der Heideweiher: ... (© C. Buch)
... das Gelblichweiße Ruhrkraut (Helichrysum luteoalbum ), das schon seit 1990 auf dem Campus wächst, die Stadtpflanze des Jahres 2020 (© C. Buch)
Und schließlich noch die Stadtpflanze des Jahres 2026 : der Krähenfuß-Wegerich ... (© C. Buch)
... Plantago coronopus , eine salzliebende Art (© C. Buch)
Von den gepflasterten Blumenhochbeeten ausgehend in die Umgebung verwildert: ... (© G. Abels)
... Zartes Federgras (Nassella tenuissima ), ... © C. Buch)
... neben der heimischen Mauerraute (Asplenium ruta-muraria ) etwas, das an Oregano (bzw. Dost) erinnert, ... (© C. Buch)
... aber die Kleinblütige Bergminze (Calamintha nepeta ) ist (© A. Jagel)
Außerdem Quirlblütiger Salbei ... (© A. Jagel)
... Salvia verticillata und ... (© A. Jagel)
... Woll-Ziest (Stachys byzantina , © A. Jagel)
Zur Krönung noch ein einjähriges Gras, das in NRW noch weitgehend unbekannt sein dürfte: ... (© C. Buch)
... das Gewöhnliche Bürstengras (Polypogon monspeliensis ). Es ist wahrscheinlich aus dem Mittelmeergebiet zu uns gelangt und hat sich hier auf dem Unigelände seit etwa 2009 eingebürgert (© C. Buch)
Die Nacht deutet sich an, der nächste Schauer braut sich über uns zusammen, wir eilen zurück zu den Autos (© A. Jagel)
Anprechpartner: Armin Jagel