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Jagel, A. 1992: Zur Flora und Vegetation der Insel Elafonisos (Lakonien, Griechenland). Diploma Thesis. Spezielle Botanik, Ruhr-University Bochum. Germany.

Geologie/Klima
Historie
Methoden
Pflanzengeografie
Vegetation

 


2 Natürliche Gegebenheiten des Untersuchungsgebietes


2.1 Geografie und Geologie

Die Insel Elafonisos liegt am Südostende des Peloponnes am Rande des Golfes von Lakonien (Lakonikos Kolpos), der von der Mani-Halbinsel im Westen und der Malea-Halbinsel im Osten (den beiden südlichsten "Fingern" des Peloponnes) begrenzt wird. Im Norden trennt sie ein an der schmalsten Stelle nur 600 m breiter Meeresarm vom gegenüberliegenden Festland, der Ebene von Neapoli.


Meerenge zwischen dem Norden von Elafonisos und
der Malea-Halbinsel vom Parnon aus gesehen.

Der Kanal ist so seicht (an einigen Stellen weniger als 1 m tief), dass er nur von kleinen Personenfähren und Fischkuttern befahren werden kann. Autofähren, die die Insel mit Neapoli verbinden, legen im Nordosten des Dorfes an, ohne den Kanal zu durchqueren. Gegen Westen schützt Elafonisos die Bucht von Vatika, in der Neapoli liegt. Im Süden wird es von der ca. 9 km breiten Meerenge (Steno Elafonisou) von der Nachbarinsel Kithira getrennt.

Abb. 1: Geografische Lage der Insel Elafonisos

Die Gesamtfläche der Insel umfasst 17 km2. Die längste Ausdehnung (vom Ort Elafonisos bis zum Kap Maria im Südwesten) beträgt etwa 7 km. Im Westen sind mehrere kleine Inselchen vorgelagert. Am Nordostende liegt auf einer niedrigen Landspitze der einzige Ort, Elafonisos. Hier wohnt der Großteil der Einwohner, deren Anzahl nach Angaben eines Dorfbewohners 700 beträgt. Im Südwesten liegt die kleine Siedlung von Panajia, die Häuschen bei Lefki sind weitgehend unbewohnt.
Bis 1990 gab es befestigte Straßen nur im Dorf, in letzter Zeit wurden die Schotterwege, die vom Dorf aus in den Westen und Osten um die Insel verlaufen, Stück für Stück ausgebaut. Eine durchgehende Wegverbindung zwischen Kato Nisi und Lefki besteht bisher aber nicht. Es gibt daher keinen befestigten Rundweg um die Insel.

Abb. 2: Geografische Karte von Elafonisos (in Anlehnung an SYMENOIDES 1968)

In der Antike hieß die Insel Onugnathos, was soviel wie "Eselskinnbacken" bedeutet (PHILIPPSON 1959). Der Name Elafonisos bedeutet übersetzt "Hirschinsel" und spielt auf den Umriss der Insel in Form eines Geweihes an. Grob gesehen hat sie etwa die Form eines Dreiecks, dessen nördliche Spitze dem Festland zugekehrt ist. Im Süden ist sie in zwei Landzungen ausgezogen. Die westliche Landzunge besitzt als höchste Erhebung den Berg Siros, die östliche den Frangos (zur Höhenangabe siehe Kapitel 4.1.). Zwischen diesen beiden Landzungen befindet sich die große, bis 50 m, im Inneren 10-15 m tiefe Bogenbucht von Sarakiniko (PHILIPPSON 1959). Von dieser trennt der Hügel Elena im Osten die Bucht von Frango ab. Die beiden Kalkhügel von Frangos und Elena sind durch Schwemmland mit der Hauptinsel verbunden.

Abb. 3: Geologische Karte von Elafonisos (nach SYMENOIDES 1968, verändert)

Die Hauptmasse der Insel bildet ein auf metamorphem Gestein ruhendes, größtenteils mesozoisches Kalkstein-Plateau aus Tripolitzakalk von etwa 150 m ü. NN. (PHILIPPSON 1959). Tripolitzakalk ist ein harter, splitteriger und wenigstens in seiner oberen Abteilung dunkelgrauer Kalk der Tripoliszone. Seinen Namen erhielt er aufgrund seiner besonders typischen Ausbildung bei Tripolis (volkstümlich: Tripolitsa) in Arkadien (PHILIPPSON l. c.). In der Mitte wird das Plateau von dem aus kolluvialem Gestein gebildeten Höhenzug der Vardhia (zu deutsch: Wache) überragt, dessen Gipfel mit 276 m die höchste Erhebung der Insel darstellt. Neben dem vorherrschenden Tripolitzakalk und dem kolluvialen Gestein werden Teile der Insel von mergeligem Kalkstein neogenen Alters sowie Sanden gebildet (siehe Abb. 3).

Mehrere Teile der Insel, besonders gut sichtbar im Westen, sind aus verschiedenen Terrassen aufgebaut, die auf eine episodenhafte Hebung des Landes hinweisen (PHILIPPSON l. c.). Auf der Nordseite hat sich gegen das Festland hin eine kleine Ebene aus Flugsand gebildet, welcher vom Nordwind getrieben in das Innere der Insel bis an die Hänge der Berge hinauf fortschreitet.
Um die Insel herum verläuft ein felsiger Küstenstreifen, der sich allmählich aus dem Meer erhebt, nur in einigen Bereichen im äußersten Süden fallen die Felswände steil zum Meer ab. Der felsige Küstensaum wird wiederholt von Sandstränden unterbrochen, dem sich bei Lefki und an einigen Stellen im Westen Dünen anschließen.
Elafonisos hat keine Süßwasserquellen und leidet unter Wasserarmut. Nach SYMENOIDES besaß die Insel im Jahr 1968 60 Brunnen, von denen 20 zur Gewinnung von Trinkwasser und 40 zum Bewässern des Kulturlandes genutzt wurden.
Besonders fruchtbar sind die Regionen von Lefki, Kato Nisi und die Hochebene nördlich der Vardhia. Hier herrschen meist Olivenhaine vor, die regelmäßig von Phrygana-Flächen unterbrochen werden. Gelegentlich, besonders in der Ebene von Lefki, sind zusätzlich einige Äcker und Wiesen eingestreut. Der überwiegende Teil der Insel ist jedoch mit Phrygana bedeckt.

Die Bewohner der Insel leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, der Fischerei, kleineren Handwerksbetrieben und dem Tourismus (BERNDT 1991). Letzterer nimmt sich derzeit noch sehr bescheiden aus. Es gibt nur wenige Andenkenläden im Dorf, und die Verkaufsstände am Strand von Panajia haben nur zur Hochsaison geöffnet. Eine solcher Verkaufsstand, der sich noch 1991 auf dem Isthmus zur Landzunge von Elena befand, wurde inzwischen abgebaut. Schaf- und Ziegen-Herden, die noch von SYMENOIDES (1968) beschrieben wurden, sind heute auf Elafonisos selten. So konnte ich während der gesamten Untersuchungszeit lediglich einmal eine kleine Ziegenherde beobachten.

Verwaltungsrechtlich gehört Elafonisos zum Nomos Lakonia, der von der Ebene von Sparta bis zum Kap Malea (Malea-Halbinsel) im Südosten und bis zum Kap Tenaron (Mani-Halbinsel) im Südwesten reicht.

 

2.2 Klima

Da auf Elafonisos keine meteorologische Messstation unterhalten wird, müssen zur Charakterisierung des Klimas der Insel allgemeine Schilderungen über den Südosten des Peloponnes von PHILLIPSON (1948) und LIENAU (1989) herangezogen werden. Außerdem wurde anhand der Daten der Klimastation der Nachbarinsel Kithira (ANDREAKOS 1978) ein Klimadiagramm nach WALTER (1984) erstellt (Abb. 4). Die Erfassung der Daten fand in den Zeiträumen 1931-1940 und 1949-1973 statt. Das Klimadiagramm weist einige Unterschiede zu dem bei WALTER & LIETH (1967) für Kithira angegebenen auf, was sicherlich durch eine andere, früher liegende, mir aber nicht bekannte Messperiode begründet ist. Abweichungen zu den Werten bei ANDREAKOS (1978) sind in Klammern vermerkt.

Abb. 4: Klimadiagramm der Insel Kithira (erstellt nach ANDREAKOS 1978)

Im Untersuchungsgebiet herrscht demnach ein typisch mediterranes Winterregenklima (WALTER & LIETH 1967). Die Sommer sind warm und trocken, die Winter feucht, relativ mild und weisen eine geringe Frostgefährdung auf.

Das Klimadiagramm zeigt eine rund 5 ½-monatige Trockenperiode (Ende März bis Mitte September). Die Sommermonate Juni, Juli und August sind nahezu regenlos (< 5 mm pro Monat). Niederschläge in der Trockenperiode fallen in Form von Gewitterregen. Allerdings gehört der südöstliche Peloponnes zu den gewitterärmsten Regionen Griechenlands (LIENAU 1989). Platzregen in der Trockenperiode fließen aufgrund des ausgetrockneten Bodens ohnehin größtenteils oberflächlich ab und sind den Pflanzen nur wenig von Nutzen (HÖNER 1991). Der mittlere Jahresniederschlag auf Kithira beträgt 568 mm (616 mm). Den größten Teil der Niederschläge bringen die im Winterhalbjahr über das Mittelmeer ziehenden Zyklone, Niederschlagsmaxima werden im Dezember und Januar erreicht. Verglichen mit den Westküsten des Peloponnes erhält Kithira bedeutend weniger Niederschläge, im Vergleich zu Athen dagegen etwa eineinhalb mal soviel (HORVAT et al. 1974).

Andere Niederschlagsformen (wie etwa Schnee, Hagel, Nebel und Tau) haben, verglichen mit Regen, eine zu vernachlässigende Bedeutung. Schneefall und Frost sind äußerst selten. PHILIPPSON (1948) zählt Kithira zu den praktisch frostfreien Gegenden. Geschlossene Schneedecken treten gar nicht auf; der in der gesamten Messperiode niedrigste Temperaturwert betrug - 1,8 °C und lag im Januar (ohne Jahresangabe, ANDREAKOS 1978). Weitere Monate mit Frosttagen sind bei ANDREAKOS nicht angegeben, bei HORVAT et al. (1974) sind die Monate Dezember bis März als frostgefährdet markiert.

Auf verschiedenen Klimakarten kommt Elafonisos eine Grenzstellung zwischen Kithira und dem Festland zu. So befindet sich Elafonisos im Gegensatz zur Klimastation Kithiras, die nach Angaben von PHILIPPSON (l. c.) im Südteil der Insel liegt, innerhalb der 28 °C-Juli-Isotherme (Abb. 5a) und gehört damit, zusammen mit einem Großteil Lakoniens und der westthessalischen Binnenebene zu den Hitzezentren Griechenlands (PHILIPPSON l. c.). Auch die 12 °C-Januar-Isotherme verläuft zwischen der Klimastation Kithiras und Elafonisos (Abb. 5b). Die Werte der Januar- und Julimittelwerte bei ANDREAKOS liegen allerdings jeweils ein Grad unter dem in den Karten bei PHILIPPSON. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt auf Kithira 18,0 °C (18,3 °C), der höchste gemessene Temperaturwert 41,7 °C (ANDREAKOS 1978).

Abb. 5: a.) Juli-Isothermen b.) Januar-Isothermen (nach PHILIPPSON 1948)

In Bezug auf die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge wird Elafonisos dagegen zusammen mit Kithira (welches nach ANDREAKOS lediglich 568 mm erhält) der Zone mit 600-800 mm zugeordnet, während die direkt gegenüberliegende Westküste der Malea-Halbinsel nur 400-600 mm erhält (Abb. 6). Diese Einordnung der direkt vor dem Festland liegenden Insel erscheint seltsam, und mir ist nicht bekannt, ob sie auf Messungen oder Schätzungen beruht. Aufgrund der Angaben kann aber davon ausgegangen werden, dass Elafonisos im Bereich von 600 mm Jahresniederschlag liegt.

Ein auf Elafonisos ausgesprochen wichtiger Klimafaktor ist der Wind. Die Nachbarinsel Kithira zählt zu den Inseln Griechenlands mit höchster mittlerer Windstärke. Die durchschnittliche Anzahl der windstillen Tage wird mit 0% angegeben (PHILLIPSON 1948). Besonders in den höheren Lagen von Elafonisos ist ein deutlicher Einfluss auf die Vegetation zu beobachten. Folgen der starken Nordwinde lassen sich auch im Norden der Insel an dem weit ins Inland vordringenden Sand erkennen.


In Kithira herrschen fast ganzjährig Nordostwinde vor, nur im Juli überwiegen Westwinde, die man nach PHILLIPSON (l. c.) hier als umgelenkte Nordwestwinde deuten kann. Im Sommer herrschen die Ethesien, charakteristische, mit Trockenheit verbundene, extrem wolkenarme Winde mit nördlicher Komponente. Im Winter bringt der Vorias, ein feuchter stürmischer Nordwind, die Niederschläge.

Abb. 6: Durchschnittlicher jährlicher Regenfall im Peloponnes (1901-1940) (aus BEUERMANN 1956, nach MARIOPOULOS & KARAPIPERI, ohne Jahresangabe)